Eisbombe zum Leichenschmaus
Weihnachts-Thriller mit Augenzwinkern
An Heiligabend klopft der Tod an die Tür
Horst ist fürwahr kein netter Mensch und sein Mitgefühl an Heiligabend hätte er sich geschenkt, wenn er vorher geahnt hätte, was ihm das einbringt. Frohgelaunt und nichts Böses im Sinn schlittert er mitten ins Familiendrama. Ein mysteriöser Tod jagt den nächsten und am Ende denken die Anderen nur an die Eisbombe zum Dessert.➯ Buch bei Amazon bestellen
Kurzgeschichte: Eisbombe zum Leichenschmaus
Federleicht, wie Glitzerstaub von Feenhand in die klare Winterluft gepustet, flirrten wattefeine Schneeflocken vom Firmament. Die Posaunen und Trompeten der Feuerwehrkapelle bliesen “Stille Nacht, heilige Nacht“ direkt in die Herzen der andächtig lauschenden Besucher des Weihnachtsmarkts heute am vierten Advent, der ausnahmsweise mit dem heiligen Abend zusammenfiel. Verfrorene Finger klammerten sich an heiße Tassen, aus denen der würzige Geist aromatischen Glühweins die Nächstenliebe befeuerte. Dennoch beachtete niemand die Kleine, die da auf nackten Füßchen zwischen den Beinen der Erwachsenen über das frostkalte Pflaster trippelte - niemand außer Max. Sie war aus ihrem kuscheligen Heim auf die Straße gerannt und hatte nicht wieder zurückgefunden. Nun schlug sie sich mutterseelenallein durch die Welt, von der sie selbst am Vorweihnachtsabend nur ein paar Brötchenkrümel, die von den Papptellern rieselten, zu erwarten hatte. Auch Horst kümmerte die Kleine nicht. Vermutlich hätte der Geschäftsführer des Autohauses Lübzer, der sich vom Mechaniker an die Spitze des traditionsreichen Familienunternehmens geheiratet hatte, nach ihr getreten, wenn sie ihm aufgefallen wäre, denn für solche wie sie hatte er absolut nichts übrig. Umso mehr aber für seine Empfangsdame Ivana, die bei der gestrigen Weihnachtsfeier durchblicken lassen hatte, dass sie die Festtage zwar allein, den heutigen Abend jedoch nicht gänzlich freudlos verbringen wolle, und deren durch Abertausende Kniebeugen gestählter Steiß gerade Horsts volle Aufmerksamkeit genoss.
Derweil ergatterte die Kleine den Zipfel einer Bratwurst, der neben eine Mülltonne gefallen war. Glücklich über den unerwarteten Fund verkroch sie sich abseits ins Gebüsch und schmatzte auf dem widerspenstigen Wurstdarm herum. Dass sich Max an sie anschlich, merkte sie nicht - ebenso wenig wie ihr Genick wie ein dürrer Zweig brach. Wenn sie ohne Stress starben, blieb ihr Fleisch schön zart. Max hatte es nicht zum ersten Mal getan, er war ein Profi. Zu gern würde er ihr an Ort und Stelle den Bauch aufschlitzen und sich über ihre Eingeweide hermachen. Am liebsten mochte er die Augen. Auf diesen hier glänzte noch feucht eine Träne. Doch es war Weihnachten und sie sein Geschenk.
Max reckte den Hals und schaute durchs Küchenfenster. Drinnen rollte die Mutter den Teig für die Plätzchen aus. Die Großmutter rührte in einem Bottich die Mayonnaise unter die Kartoffeln. Drüben im Wohnzimmer, vor dem Fernseher, daddelte Leon auf der Spielkonsole herum, während seine kleine Schwester Theresa unter Sesseln und Schränken nach versteckten Geschenken stöberte. Max schlich ums Haus. Niemand von ihnen durfte sein Geschenk finden, denn es war für seinen Meister bestimmt. Der hatte ihn auf der Straße aufgelesen und zu dem Killer gemacht, der er heute war. Da baute sich wie aus dem Nichts der Großvater vor ihm auf. Der Tritt des ehemaligen Spielmachers der Eintracht-Senioren und noch amtierenden Inhabers des Autohauses Lübzer traf ihn hart in den Bauch. Max jaulte auf, rang nach Luft und schluckte schwer. Bevor der alte Kicker einen weiteren Pass schlagen konnte, rannte er ums Eck in die Garageneinfahrt, wo ihn die Scheinwerfer von Horsts SUV blendeten. Wie die 245er Breitreifen über ihn hinweg walzten und ihr dreidimensionales Lamellenprofil in seinen Kopf stanzten, bekam er nicht mehr mit.
Bewertungen meiner Leser
Schwarzer Humor
Lessing 81
Weihnachtsidylle mal ganz anders. Welch eine Tragödie Tierliebe doch auslösen kann. Nette Idee mit der Steigerung der Morde.